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Was
ist Krankheit?
Auszug aus dem Buch:
Krankheit als Weg
In der Medizin wie auch im Volksmund spricht man von
den verschiedensten Krankheiten. Diese sprachliche Schlamperei zeigt
sehr deutlich das verbreitete Mißverständnis, dem der Begriff
Krankheit unterliegt. Krankheit ist ein Wort, das man eigentlich nur
im Singular verwenden kann - der Plural Krankheiten ist genauso sinnlos
wie der Plural von Gesundheit: Gesundheiten. Krankheit und Gesundheit
sind singuläre Begriffe, da sie sich auf eine Zustandsform des
Menschen beziehen und nicht, wie im heutigen Sprachgebrauch üblich,
auf Organe oder Körperteile. Der Körper ist niemals krank
oder gesund, da in ihm lediglich die Informationen des Bewußtseins
zum Ausdruck kommen.
Der Körper tut nichts aus sich selbst heraus, wovon
sich jeder durch die Betrachtung einer Leiche selbst überzeugen
kann. Der Körper eines lebenden Menschen verdankt seine Funktion
ja gerade jenen beiden immateriellen Instanzen, die wir meist Bewußtsein
(Seele) und Leben (Geist) nennen.
Krankheit als Weg

Deutung und
Be-Deutung der Krankheitsbilder, vom Thorwald
Dethlefsen und Rüdiger Dahlke
Original von: 1990
ISBN: 3442114721
neu ab 9 Euro,
gebraucht ab 3 Euro - Ein absolutes Muß zum
Lesen!
Hier
bestellen bei amazon...
DEN SINN VON
KRANKHEIT ERKENNEN Alle Krankheitssymptome haben
einen tieferen Sinn
für unser Leben: Sie übermitteln uns
wertvolle Botschaften aus der Psyche. Der Psychologe
Thorwald Dethlefsen und der Mediziner Ruediger
Dahlke helfen uns, die Bedeutung von Krankheit
zu begreifen. Sie zeigen, was Infektionen, Kopfschmerzen,
Unfälle, Herz- und Magenschmerzen, aber auch
was große, noch immer tabuisierte Leiden
wie Krebs und Aids uns sagen wollen. Wer die eigenen
Krankheitsbilder versteht, findet einen neuen,
besseren Weg zu sich selbst.
Hier
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Krankheit als Weg

Deutung und
Be-Deutung der Krankheitsbilder, vom Thorwald
Dethlefsen und Rüdiger Dahlke
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Be-Deutung der Krankheitsbilder, vom Thorwald
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Das Bewußtsein stellt dabei die Information dar,
die sich im Körper manifestiert und in die Sichtbarkeit transponiert
wird. Bewußtsein verhält sich zum Körper wie ein Radioprogramm
zum Empfänger. Da das Bewußtsein eine nichtmaterielle, eigenständige
Qualität darstellt, ist es natürlich weder ein Produkt des
Körpers, noch von dessen Existenz abhängig.
Was immer im Körper eines Lebewesens geschieht,
ist Ausdruck einer entsprechenden Information bzw. Verdichtung eines
entsprechenden Bildes (Bild heißt griechisch eidolon und entspricht
damit auch dem Begriff der »Idee«). Wenn Puls und Herz
einem bestimmten Rhythmus folgen, die Körpertemperatur eine konstante
Wärme einhält, die Drüsen Hormone ausschütten oder
Antigene gebildet werden, so sind diese Funktionen nicht aus der Materie
selbst heraus zu erklären, sondern sämtlich abhängig
von einer entsprechenden Information, deren Ausgangspunkt das Bewußtsein
ist. Wenn die verschiedenartigen körperlichen Funktionen in einer
bestimmten Weise zusammenspielen, entsteht ein Muster, das wir als
harmonisch empfinden und deshalb Gesundheit nennen. Entgleist eine
Funktion, so gefährdet sie mehr oder weniger die gesamte Harmonie,
und wir sprechen von Krankheit.
Krankheit bedeutet also ein Verlassen einer Harmonie
bzw. die In-Frage-Stellung einer bisher ausbalancierten Ordnung (wir
werden später sehen, daß, unter einem anderen Gesichtswinkel
betrachtet, Krankheit eigentlich die Herstellung eines Gleichgewichts
ist). Die Störung der Harmonie findet aber im Bewußtsein
auf der Ebene der Information statt und zeigt sich lediglich im Körper.
Der Körper ist somit die Darstellungs- oder Verwirklichungsebene
des Bewußtseins und damit auch aller Prozesse und Veränderungen,
die im Bewußtsein ablaufen. So, wie die gesamte materielle Welt
nur die Bühne ist, auf der das Spiel der Urbilder Gestalt annimmt
und so zum Gleichnis wird, so ist analog auch der materielle Körper
die Bühne, auf der die Bilder des Bewußtseins zum Ausdruck
drängen. Gerät daher ein Mensch in seinem Bewußtsein
ins Ungleichgewicht, so wird dies in seinem Körper als Symptom
sichtbar und erlebbar. Deshalb ist es irreführend, zu behaupten,
der Körper wäre krank - krank kann immer nur der Mensch sein
-, doch dieses Kranksein zeigt sich im Körper als Symptom. (Bei
der Aufführung einer Tragödie ist nicht die Bühne tragisch,
sondern das Stück!)
Symptome gibt es viele - doch sie alle sind Ausdruck
des einen und immer gleichen Geschehens, das wir Krankheit nennen und
das sich immer im Bewußtsein eines Menschen ereignet. So wie
der Körper ohne Bewußtsein nicht leben kann, kann er ohne
Bewußtsein auch nicht »krank« werden. An dieser Stelle
dürfte auch verständlich werden, daß wir die heute übliche
Einteilung in somatische, psychosomatische, psychische und geistige
Krankheiten nicht übernehmen. Ein solches Konzept ist eher geeignet,
das Verstehen von Krankheit zu verhindern, als es zu erleichtern.
Unsere Betrachtungsweise entspricht in etwa dem psychosomatischen
Modell, jedoch mit dem Unterschied, daß wir diese Sicht auf alle
Symptome anwenden und keine Ausnahmen zulassen. Die Unterscheidung »somatisch«/»psychisch« kann
man bestenfalls auf die Ebene beziehen, auf der sich ein Symptom manifestiert
- ist aber unbrauchbar, um Krankheit zu lokalisieren. Der altertümliche
Begriff der Geisteskrankheiten ist vollends irreführend, da der
Geist niemals erkranken kann - vielmehr handelt es sich bei dieser
Gruppe ausschließlich um Symptome, die sich auf der psychischen
Ebene, also im Bewußtsein eines Menschen manifestieren.
So werden wir hier versuchen, ein einheitliches Bild
der Krankheit zu entwickeln, das die Unterscheidung »somatisch«/»psychisch« bestenfalls
auf die dominante Ausdrucksebene des Symptoms bezieht.
Mit der begrifflichen Unterscheidung zwischen Krankheit
(Bewußtseinsebene) und Symptom (Körperebene) verlagert sich
unsere Betrachtung von Krankheit zwangsläufig weg von der uns
geläufigen Analyse des Körpergeschehens hin zu einer heute
in diesem Zusammenhang noch keineswegs geläufigen oder gewohnten
Betrachtung der psychischen Ebene. Wir handeln somit wie ein Kritiker,
der ein schlechtes Theaterstück nicht durch Analyse und Veränderung
der Kulissen, der Requisiten und der Schauspieler zu verbessern versucht,
sondern gleich das Stück selbst betrachtet.
Manifestiert sich im Körper eines Menschen ein
Symptom, so zieht dies (mehr oder minder) die Aufmerksamkeit auf sich
und unterbricht dadurch oft jäh die bisherige Kontinuität
des Lebensweges. Ein Symptom ist ein Signal, das Aufmerksamkeit, Interesse
und Energie auf sich lenkt und damit den üblichen Gleichlauf in
Frage stellt. Ein Symptom erzwingt von uns Beachtung - ob wir nun wollen
oder nicht. Diese als von außen kommende Unterbrechung empfinden
wir als Störung und haben deshalb meist nur ein Ziel: das Störende
(die Störung) wieder zum Verschwinden zu bringen. Der Mensch will
sich nicht stören lassen und damit beginnt der Kampf gegen das
Symptom. Auch Kampf ist Beschäftigung und Hinwendung - und so
er reicht das Symptom immer, daß wir uns mit ihm beschäftigen.
Seit Hippokrates versucht die Schulmedizin, den Kranken
einzureden, daß ein Symptom ein mehr oder minder zufälliges
Ereignis sei, dessen Ursache in funktionalen Abläufen zu suchen
sei, die zu erforschen man sehr bemüht ist. Die Schulmedizin vermeidet
es sorgfältig, das Symptom zu deuten, und verbannt somit Symptom
wie Krankheit in die Bedeutungslosigkeit. Doch damit verliert das Signal
seine eigentliche Funktion - aus den Symptomen wurden Signale ohne
Bedeutung.
Benutzen wir zur Verdeutlichung einen Vergleich: Ein
Auto besitzt verschiedene Kontrollampen am Armaturenbrett, die nur
dann aufleuchten, wenn irgendeine wichtige Funktion des Autos nicht
mehr gesetzmäßig funktioniert. Leuchtet nun im konkreten
Fall während einer Fahrt ein solches Lämpchen auf, so sind
wir hierüber keineswegs erfreut. Wir fühlen uns von diesem
Signal aufgefordert, unsere Fahrt abzubrechen. Trotz unserer verständlichen
Beunruhigung wäre es aber dumm, auf das Lämpchen böse
zu sein; schließlich informiert es uns über einen Vorgang,
den wir sonst gar nicht so schnell wahrgenommen hätten, da er
für uns in einem »unsichtbaren« Bereich liegt. So
nehmen wir nun das Aufleuchten des Lämpchens als Anstoß,
einen Automechaniker zu rufen mit dem Ziel, daß nach dessen Intervention
das Lämpchen nicht mehr leuchtet und wir ruhig weiterfahren können.
Doch wir wären sehr erbost, würde der Mechaniker dieses Ziel
verwirklichen, indem er lediglich die Birne des Lämpchens entfernt.
Zwar brennt das Lämpchen nun nicht mehr - und das wollten wir
eigentlich auch -, aber der Weg, der zu diesem Ergebnis führte,
ist uns zu vordergründig. Wir halten es für sinnvoller, das
Leuchten des Lämpchens überflüssig zu machen, anstatt
es an seinem Leuchten zu hindern. Dazu allerdings müßte
man den Blick vom Lämpchen lösen und auf dahinterliegende
Bereiche richten, um herausfinden zu können, was eigentlich nicht
in Ordnung ist. Das Lämpchen wollte durch sein Leuchten ja lediglich
hinweisen und uns zum Fragen veranlassen.
Was in diesem Beispiel das Kontrollämpchen war,
ist bei unserem Thema das Symptom. Was immer sich in unserem Körper
als Symptom manifestiert, ist sichtbarer Ausdruck eines unsichtbaren
Prozesses und möchte durch seine Signalfunktion unseren bisherigen
Weg unterbrechen, darauf hinweisen, daß etwas nicht in Ordnung
ist, und uns zum Hinterfragen veranlassen. Auch hier ist es dumm, auf
das Symptom böse zu sein, und geradezu absurd, das Symptom ausschalten
zu wollen, indem man seine Manifestation unmöglich macht. Das
Symptom darf nicht verhindert, sondern muß überflüssig
gemacht werden. Dazu muß man allerdings auch hier seinen Blick
vom Symptom abwenden und tiefer blicken, will man verstehen lernen,
auf was das Symptom hinweisen will.
Doch in der Unfähigkeit zu diesem Schritt liegt
das Problem der Schulmedizin - sie ist zu sehr von den Symptomen fasziniert.
Deshalb setzt sie ja Symptom und Krankheit gleich, d. h., sie kann
Form und Inhalt nicht trennen. So behandelt man mit viel Aufwand und
technischem Können Organe und Körperteile - doch nie den
Menschen, der krank ist. Man jagt dem Ziele nach, irgendwann einmal
alle Symptome am Auftreten hindern zu können, ohne dieses Konzept
nach Möglichkeit und Sinnhaftigkeit zu hinterfragen. Es ist erstaunlich,
wie wenig die Realität in der Lage ist, die euphorische Jagd nach
diesem Ziel zu ernüchtern. Schließlich hat die Zahl der
Kranken seit dem Aufkommen der sogenannten modernen, wissenschaftlichen
Medizin nicht einmal um einen Bruchteil eines einzigen Prozentes abgenommen.
Es gibt seit eh und je gleich viel Kranke - nur die Symptome haben
sich gewandelt. Diese ernüchternde Tatsache versucht man durch
Statistiken zu vernebeln, die sich nur auf bestimmte Symptomgruppen
beziehen. So verkündet man beispielsweise stolz den Sieg über
die Infektionskrankheiten, ohne gleichzeitig zu er wähnen, welche
Symptome in diesem Zeitraum an Bedeutung und Häufigkeit zugenommen
haben.
Ehrlich wird eine Betrachtung erst, wenn man statt Symptomen
das »Kranksein an sich« betrachtet - und das hat bisher
nicht abgenommen und wird mit Sicherheit auch in Zukunft nicht abnehmen.
Kranksein wurzelt ebenso tief wie der Tod im menschlichen Sein und
läßt sich nicht mit ein paar harmlosen, funktionalen Tricks
aus der Welt schaffen. Würde man Krankheit und Tod in ihrer Größe
und Würde begreifen, so könnte man auch vor diesem Hintergrund
sehen, wie lächerlich unsere hybriden Bemühungen sind, sie
mit unseren Kräften zu bekämpfen. Vor einer solchen Desillusionierung
kann man sich natürlich schützen, indem man Krankheit und
Tod zu einer bloßen Funktion herabargumentiert, damit man weiterhin
an die eigene Größe und Vollmacht glauben kann.
Fassen wir noch einmal zusammen: Krankheit ist ein Zustand
des Menschen, der darauf hinweist, daß der Mensch in seinem Bewußtsein
nicht mehr in Ordnung bzw. in Harmonie ist. Dieser Verlust eines inneren
Gleichgewichts manifestiert sich im Körper als Symptom. Das Symptom
ist somit Signal und Informationsträger, denn es unterbricht durch
sein Auftreten den bisherigen Fluß unseres Lebens und zwingt
uns, dem Symptom Beachtung zu schenken. Das Symptom signalisiert uns,
daß wir als Mensch, als Seelenwesen krank sind, d. h. aus dem
Gleichgewicht der innerseelischen Kräfte geraten sind. Das Symptom
informiert uns darüber, daß uns etwas fehlt. »Was
fehlt Ihnen?« fragte man früher einen Kranken doch dieser
antwortete immer mit dem, was er hatte: »Ich habe Schmerzen.« Heute
ist man dazu übergegangen, gleich zu fragen: »Was haben
Sie?« Diese beiden polaren Fragestellungen »Was fehlt Ihnen?« und »Was
haben Sie?« sind bei näherer Betrachtung sehr aufschlußreich.
Beide treffen für einen Kranken zu. Einem Kranken fehlt immer
etwas, und zwar in seinem Bewußtsein - würde ihm nichts
fehlen, wäre er ja heil, d. h. ganz und vollkommen. Wenn ihm jedoch
etwas zum Heil fehlt, dann ist er un-heil, krank. Dieses Kranksein
zeigt sich im Körper als Symptom, das man hat. So ist das, was
man hat, Ausdruck dafür, daß etwas fehlt. Es fehlt an Bewußtheit,
dafür hat man ein Symptom.
Hat ein Mensch einmal den Unterschied zwischen Krankheit
und Symptom begriffen, so ändert sich schlagartig seine Grundhaltung
und sein Umgang mit Krankheit. Er betrachtet nicht länger das
Symptom als seinen großen Feind, dessen Bekämpfung und Vernichtung
sein höchstes Ziel ist, sondern entdeckt im Symptom einen Partner,
der ihm helfen kann, das ihm Fehlende zu finden und so das eigentliche
Kranksein zu überwinden. Jetzt wird das Symptom zu einer Art Lehrer,
der hilft, uns um unsere eigene Entwicklung und Bewußtwerdung
zu kümmern, und der auch viel Strenge und Härte zeigen kann,
wenn wir dieses, unser oberstes Gesetz mißachten. Krankheit kennt
nur ein Ziel: uns heil werden zu lassen.
Das Symptom kann uns sagen, was uns auf diesem Weg noch
fehlt - doch das setzt voraus, daß wir die Sprache der Symptome
verstehen. Die Sprache der Symptome wieder zu erlernen, ist Aufgabe
dieses Buches. Wir sagen wieder zu erlernen, da diese Sprache seit
alters existiert und deshalb nicht erfunden, sondern lediglich wieder
ge-funden werden muß. Unsere ganze Sprache ist psychosomatisch,
das meint, sie weiß um die Zusammenhänge zwischen Körper
und Psyche. Lernen wir wieder, in diese Doppelbödigkeit unserer
Sprache hineinzulauschen, dann werden wir sehr bald unsere Symptome
reden hören und auch verstehen können. Unsere Symptome haben
uns mehr und Wichtigeres zu sagen als unsere Mitmenschen, denn sie
sind intimere Partner, gehören ganz uns und sind die einzigen,
die uns wirklich kennen.
Dadurch entsteht allerdings eine Ehrlichkeit, die nicht
ganz leicht zu ertragen ist. Unser bester Freund würde es niemals
wagen, uns unsere Wahrheit so ungeschminkt und ehrlich ins Gesicht
zu sagen, wie dies die Symptome immer tun. Kein Wunder also, daß wir
die Sprache der Symptome verlernt haben - denn unehrlich lebt es sich
immer angenehmer! Doch durch das bloße Weg-hören und Nicht-Verstehen
verschwinden die Symptome nicht. Wir beschäftigen uns mit ihnen
auf irgendeine Weise immer. Wagen wir es, auf sie zu hören und
mit ihnen in Kommunikation zu gehen, so werden sie zu einem unbestechlichen
Lehrer auf dem Weg zur wahren Heilung. Indem sie uns sagen, was uns
eigentlich fehlt, indem sie uns mit dem Thema bekannt machen, das wir
noch bewußt integrieren müssen, geben sie uns die Chance,
durch Lernprozesse und Bewußtwerdung die Symptome in sich selbst überflüssig
zu machen.
Hier liegt der Unterschied zwischen Krankheit bekämpfen
und Krankheit transmutieren. Heilung entsteht ausschließlich
aus einer transmutierten Krankheit und niemals aus einem besiegten
Symptom, denn Heilung setzt bereits vom sprachlichen Verständnis
voraus, daß der Mensch heiler, das meint, ganzer, vollkommener
geworden ist (die nicht erlaubte Steigerung von ganz meint hier so
viel wie der Ganzheit näher gekommen - das Wort heil läßt
eine Steigerung genausowenig zu). Heilung meint immer eine Annäherung
ans Heil, an jene Ganzheit des Bewußtseins, die man auch Erleuchtung
nennt. Heilung geschieht durch Angliederung des Fehlenden und ist somit
ohne eine Bewußtseinserweiterung nicht möglich. Krankheit
und Heilung sind Begriffspaare, die sich nur auf das Bewußtsein
beziehen und auf den Körper nicht anwendbar sind - ein Körper
kann weder krank noch heil sein. In ihm können sich nur die entsprechenden
Bewußtseinszustände widerspiegeln.
Allein an diesem Punkt kann eine eventuelle Kritik an
der Schulmedizin ansetzen. Sie spricht von Heilung, ohne jener Ebene,
auf der allein Heilung möglich ist, Beachtung zu schenken. Es
ist nicht unsere Absicht, das Handeln der Medizin selbst zu kritisieren,
solange sie damit keinen Heilungsanspruch verbindet. Medizinisches
Handeln beschränkt sich auf rein funktionale Maßnahmen,
und als solche sind sie weder gut noch schlecht, sondern mögliche
Interventionen auf der materiellen Ebene. Auf dieser Ebene ist die
Medizin teilweise ja erstaunlich gut; ihre Methoden in Bausch und Bogen
zu verteufeln, ist ein Schritt, den man bestenfalls für sich selbst,
niemals aber für andere machen kann. Dahinter steht nämlich
das Problem, wie weit man bereit ist zu versuchen, durch funktionale
Maß nahmen die Welt zu verändern, oder ob man ein solches
Vorgehen als Illusion für sich entlarvt hat. Wer das Spiel durchschaut
hat, braucht es nicht unbedingt mehr mitzuspielen (...wogegen jedoch
auch nichts spricht!), hat aber kein Recht, es deswegen, weil er es
eventuell selbst nicht mehr braucht, anderen zu entziehen - denn auch
die Auseinandersetzung mit einer Illusion bringt letztlich weiter!
Es geht uns also weniger darum, was man tut, als um
die Bewußtheit über das, was man tut. Wer unseren Standpunkt
bisher verstanden hat, wird an dieser Stelle bemerken, daß sich
unsere Kritik natürlich genauso auf die Naturheilkunde bezieht
wie auf die Schulmedizin, denn auch die Naturheilkunde versucht, über
funktionale Maßnahmen »Heilung« herbeizuführen,
versucht, Krankheit zu verhindern, und redet einem gesunden Leben das
Wort. Die Philosophie ist hier die gleiche wie in der Schulmedizin,
lediglich die Methoden sind etwas ungiftiger und natürlicher.
(Eine Ausnahme bildet die Homöopathie, die ja weder zur Schulmedizin
noch zur Naturheilkunde gehört.)
Der Weg des Menschen ist der Weg aus dem Unheil zum
Heil - aus der Krankheit zur Heilung und Heiligung. Krankheit ist nicht
eine versehentliche - und daher unliebsame Störung - auf dem Weg,
sondern Krankheit ist selbst der Weg, auf dem der Mensch dem Heil entgegenwandert.
Je bewußter wir den Weg betrachten, um so besser kann er seinen
Zweck erfüllen. Unsere Absicht ist nicht, Krankheit zu bekämpfen,
sondern sie zu benützen.
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