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Nachts auf der Autobahn

 

 
 

Widerstandslos aber mit ängstlich gefalteter Stirn gehorchte Hermann dieser Stimme und drückte den Knopf hinein. Sofort riß die Nebelwand vor der Frontscheibe des Wagens auf. Das Loch wurde immer größer, bis es die gesamte Scheibe freigab, und fraß sich von dort aus weiter durch den Nebel, in die Tiefe, in die Breite und in die Höhe. Wirbel, Strömungen, Farben, Lichter, Blitze, unfaßbare Geräusche und Klänge begleiteten diesen Vorgang. Dann war plötzlich alles dunkel.

"... Du wirst gleich auf dem soeben aufgebauten Bildschirm eine Vision erleben, die dir die vierte Dimension verständlich macht. Du wirst danach verstehen, welche Bedeutung eure Erde hat bei dem Aufbau einer Konstruktion innerhalb der vierten Dimension, die dann in die 5.Dimension führt. Es wird damit beginnen, daß die Raumfahrt die Planeten eures Sonnensystems miteinander verbindet, wobei der Mond eure erste außerirdische Raumstation darstellt. Die Erde wird irgendwann völlig verbraucht sein, ein toter Planet! Deshalb werden rechtzeitig Kontakte mit anderen Lebewesen anderer Sonnensysteme eurer Galaxie aufgenommen. Verbindungen zu anderen Sonnensystemen werden aufgebaut und stabilisiert. Danach werden Kontakte aufgenommen zu anderen Galaxien, Verbindungen aufgebaut und stabilisiert. Die Konstruktion der vierten Dimension entsteht. ..."

Aus der Dunkelheit tauchte ein Planet vor der Fensterscheibe auf, den Hermann eindeutig als die Erde identifizieren konnte. Er sah Satelliten um die Erde fliegen, er sah Raketen von der Erde wegfliegen, er sah, wie die Raketen auf dem Mond landeten. Er sah, daß sich ein reger Flugverkehr zwischen beiden aufbaute. Er sah, daß die Sonne immer dunkler wurde und daß die Flugobjekte vom Mond aus zu den glühenden Objekten in der Mitte strebten. Auch andere Flugobjekte anderer sterbender Sonnensysteme sah er, die sich zur Mitte der Galaxie bewegten. Und er sah, wie sich die Galaxien aufeinander zu bewegten und verbanden.

Es hupte entsetzlich laut und Hermann zuckte erschreckt. Er sah eine Stadt im Tal vor sich, er sah den Mittelstreifen Stück für Stück unter seinem Wagen verschwinden, und er sah den Tachometer, der 60 km/h anzeigte. Der Fahrer hinter ihm wurde immer ungeduldiger, blendete ständig das Fernlicht auf und ab und hupte dazu. Hermann fuhr auf die rechte Spur, um sich überholen zu lassen und erhöhte seine Geschwindigkeit auch nicht mehr, bis er zuhause ankam.

"Hermann, da bist du ja endlich! Ich habe mir Sorgen gemacht. Wo warst du denn bloß so lange?"

"Jutta, ich weiß, du wirst es mir nicht glauben, aber ich war im Außenraum von unserem Kosmos und habe einen Geschichtsfilm über unsere Zukunft gesehen ..."

 


Anmerkung:
Diese Kurzerzählung enstand ungefähr 1995, und da war die Autobahn in der Nacht tatsächlich noch ein großes Vernügen...:-)

 

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