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Was kann man aus der Geschichte von Anna Karenina über die Liebe lernen?

Max von Thun: In der Liebe ist alles möglich: das Positive sowie das Negative. Man sieht es an Anna Karenina. Ihre Liebe zu Wronski beginnt so stürmisch und bekommt dann einen destruktiven Charakter. Und auf der anderen Seite sind da Lewin und Kitty, die mit einem Fehlstart beginnen und dann doch ihr Glück finden. Liebe lässt sich schwer definieren. Sie kann wundervoll und zugleich desaströs sein und jeder Mensch sehnt sich nach Liebe.

Haben Sie in der Vorbereitung auf die Rolle des Konstantin Dmitritsch Lewin die jüngste Hollywood-Verfilmung von "Anna Karenina" mit Keira Knightley gesehen?

von Thun: Nein, die habe ich mir bewusst nicht angesehen. Es ist jetzt zwar schon die 14. Verfilmung von "Anna Karenina" und wir erfinden das Rad nicht neu, aber wenn man es dadurch schafft, auch wieder ein jüngeres Publikum zu erreichen, ist das schön.

Das Thema Ehe steht im Fokus der Geschichte. Der Priester sagt im Film, er wünsche niemandem ohne Beistand Gottes eine Ehe, denn sie sei viel zu beschwerlich. Steckt da ein wenig Ironie dahinter?

von Thun: Ironie weniger, da ist schon was dran. Ich bin zwar nicht verheiratet, aber man hört ja sehr oft, dass eine Ehe harte Arbeit und es nicht immer leicht ist. Man muss sich dessen bewusst sein.

Sind Sie deshalb nicht verheiratet?

von Thun: Nein, das nun nicht. Es hat sich einfach noch nicht wirklich ergeben. Aber in dieser Hinsicht sind Beziehungen wie Ehen: Da muss man auch investieren, wenn man will, dass sie läuft und beide Partner glücklich sein wollen. Ich habe auch in Filmen schon mehrmals geheiratet. Deshalb habe ich irgendwie das Gefühl, ich habe das schon erlebt.

Auch Vergebung ist ein zentrales Thema im Film. Können Sie schnell verzeihen?

von Thun: Ich bin niemand, der lange nachtragend ist, aber ich kann durchaus nachtragend sein. Ich nehme Entschuldigungen schon an, aber dann will ich erst mal meine Ruhe und am nächsten Tag geht es dann wieder.

Anna Karenina spricht zu Beginn des Films von einem schlechten Omen. Glauben Sie an so etwas?

von Thun: Ich drehe nicht durch, wenn mir eine schwarze Katze über den Weg läuft, aber wenn ich einen Kaminkehrer sehe, fasse ich an einen Knopf und wünsche mir was. Das ist kein verbissener Aberglaube, allerdings sind kleine Rituale wichtig. Wenn ich Gitarre spiele, benutze ich gerne meine Lieblingsplektren. Ich habe das Gefühl, ich spiele dann besser.

Wie steht es denn derzeit um Ihre Musik?

von Thun: Im Moment finde ich einfach keine Zeit dafür und wenn ich dann mal Zeit übrig habe, möchte ich sie mit meiner Familie verbringen. Ich kann es an einer Hand abzählen, wie oft ich 2013 Gitarre gespielt habe. Ich hoffe aber, dass ich bald wieder mehr Zeit dafür finde. Musik ist für mich ein wichtiger Ausgleich und hat auch therapeutische Wirkung. Nicht, dass ich eine Therapie nötig hätte, aber nach einem schlechten Tag hilft das Gitarrespielen und man fühlt sich erleichtert.

Ihre Figur verleugnet die Existenz eines Gottes. Lewin sagt: Wir und nicht Gott haben es in der Hand. Wie halten Sie es mit dem Glauben?

von Thun: Ich bin katholisch erzogen worden, aber vor ein paar Jahren aus der Kirche ausgetreten. Der Grund war allerdings eher die Haltung der Institution und kein Zweifel an der Existenz Gottes. Ich will mir zumindest vorstellen, dass da etwas Höheres existiert, eine Kraft, die einem Hoffnung gibt.

Besprechen Sie Filmangebote mit Ihrem Vater?

von Thun: Ich lege ihm nicht das Drehbuch vor und frage nach seiner Einschätzung, aber ich erzähle ihm schon von meinen Projekten und wir sagen uns auch gegenseitig, was wir davon halten. Nach einer Ausstrahlung analysiert mein Vater sehr konkret und im schlimmsten Fall kritisiert er mich, im besten Fall werde ich nur gelobt. Ich schaue auch viele seiner Filme, und es kommt schon mal vor, dass wir uns gegenseitig nicht gut fanden.

Trifft seine Kritik Sie härter als die von anderen Menschen?

von Thun: Es ist mir wichtiger zu wissen, was mein Vater denkt als ein Kritiker. Die meisten Menschen freuen sich, wenn sie ein Lob erhalten.

03.01.2014 | 12:46 Uhr SpotOnNews
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