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Fiat sichert sich die volle Kontrolle über die US-Tochter Chrysler. Der italienische Autobauer erwirbt in einem 4,35 Milliarden Dollar (3,16 Mrd Euro) schweren Geschäft den noch fehlenden Minderheitsanteil an Chrysler, den bislang der Gesundheitsfonds der nordamerikanischen Autogewerkschaft UAW hält.

Fiat stellt sich damit im knallharten Autogeschäft besser auf gegenüber Rivalen wie Volkswagen, der Opel-Mutter General Motors oder Ford. Die Aktie des Unternehmens schoss daraufhin am Donnerstag in die Höhe.

«Dank der einheitlichen Besitzverhältnisse können wir nun unsere Vision eines globalen Autobauers umsetzen», erklärte Konzernchef Sergio Marchionne am Mittwoch in Turin. Während Fiat seine Autos vor allem in Europa und Lateinamerika verkauft, ist Chrysler aus Auburn Hills nahe Detroit in Nordamerika stark.

Zu dem Gesamtkonzern gehören auch die italienischen Marken Alfa Romeo, Lancia und Abarth sowie die amerikanischen Marken Jeep, Dodge und Ram. Der Kurs der Fiat-Aktie legte am Donnerstagvormittag an der Mailänder Börse um mehr als zwölf Prozent zu.

Die Italiener waren 2009 bei Chrysler eingestiegen, als der US-Hersteller in der Wirtschaftskrise in die Insolvenz schlitterte und vom amerikanischen Steuerzahler gerettet werden musste. Fiat bot technisches Know-How an und erhielt im Gegenzug nach und nach immer mehr Anteile. Die Partnerschaft erwies sich trotz aller Unkenrufe als Erfolg: Chrysler schreibt seit mehr als zwei Jahren Gewinne, was Fiat half, die Einbrüche im europäischen Automarkt zu überstehen.

Chrysler hatte schon einmal zu einem europäischen Autohersteller gehört: Von 1998 bis 2007 war das Unternehmen mit Daimler fusioniert, der Autokonzern nannte sich während dieser Zeit DaimlerChrysler.

Der vollen Integration von Chrysler in den Fiat-Konzern stand bisher der 41,5-Prozent-Anteil der Autogewerkschaft entgegen, den diese für ihre Zugeständnisse in der Insolvenz erhalten hatte. Seit Monaten verhandeln beide Seite über die Komplettübernahme. Allerdings lagen die Preisvorstellungen meilenweit auseinander. Als Ausweg aus dieser Zwickmühle hatte Chrysler zwischenzeitlich schon einen Börsengang angestoßen - dann hätte der Markt über den Wert befunden. Der Börsengang dürfte jetzt abgesagt werden.

Der Gesundheitsfonds der Gewerkschaft bekommt aus der Kasse von Chrysler 1,90 Milliarden Dollar ausgeschüttet, weitere 1,75 Milliarden Dollar zahlt Fiat beim Abschluss der Transaktion selbst. Zudem bekommt der Fonds von Chrysler weitere insgesamt 700 Millionen Dollar in vier jährlichen Raten ausbezahlt.

Der Plan ist, dass die Anteile bis spätestens 20. Januar den Besitzer wechseln. «Ich habe auf diesen Tag seit dem Moment hingefiebert, als wir 2009 ausgewählt wurden, Chrysler wieder aufzubauen», erklärte Fiat-Verwaltungsratschef John Elkann. Chrysler gehörte vor der Insolvenz dem Finanzinvestor Cerberus, der den US-Autobauer mehrheitlich von Daimler übernommen hatte.


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