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Freiburg (ots) - Eine Beleidigung, eine offene Provokation, die imperiale Träume offenbare - Chinas Außenministerium ließ es an starken Worten nicht fehlen. Der Grund für die Aufregung: In den vergangenen Tagen besuchten zwei japanische Spitzenpolitiker den Yasukuni-Schrein in Tokio. Und in der Tat: Die Provokation ist gewollt - von beiden Seiten. Der Tempel ist seit Mitte des 19. Jahrhunderts die zentrale Gedenkstätte für japanische Kriegstote. Unter den etwa 2,5 Millionen Toten, denen die Stätte gilt, befinden sich auch 14 verurteilte Kriegsverbrecher des Zweiten Weltkriegs. Premierminister Shinzo Abe stattete dem Tempel vor einer Woche einen Besuch ab. Am Mittwoch folgte ihm Innenminister Yoshitaka Shindo. Falls das als Provokation gemeint war, so ist das Manöver ein voller Erfolg. Shinzo Abe sei von nun an in China nicht mehr erwünscht, erklärte das chinesische Außenamt. Der chinesische Botschafter in London verstieg sich sogar dazu, Japan in einem Zeitungsartikel mit Lord Voldemort zu vergleichen, dem bösen Zauberer aus den Harry Potter-Romanen. Wenn man dem offiziellen China glauben will, dann ist Japan ein Schurkenstaat, der zu militärischen Abenteuern ansetzt.Das ist natürlich Unsinn. Pekings heftige Reaktion war darum nicht weniger überflüssig. Der Grund für den Schlagabtausch: Beide Seiten wollen schlechte Beziehungen zueinander. Für Peking ist Japan ein bequemer Feind, denn in China ist alles populär, was sich gegen Japan richtet. Zum Teil ist dies eine Erbschaft des Zweiten Weltkriegs; zu einem großen Teil liegt es aber daran, dass Peking seit den 80er Jahren die feindselige Stimmung gezielt anheizt, um sich vor dem heimischen Publikum desto besser als Hüter der vaterländischen Ehre zu präsentieren. Auf der anderen Seite ist seit Beginn der Wirtschaftsreformen vor gut 30 Jahren der chinesische Nationalismus neben dem ökonomischem Erfolg die einzige Quelle der Legitimität für die Kommunistische Partei (KP). Seitdem empört sich die Pekinger Regierung über den Schrein. Im Streit zwischen Peking und Tokio um Territorium im Ostchinesischen Meer ist der KP auch alles willkommen, was Japan schlecht aussehen lässt. Das weiß natürlich auch Shinzo Abe. Warum also tut er Peking den Gefallen? Zum Teil, um sich bei konservativen Japanern beliebt zu machen. Aber vor allem nützen Spannungen mit China seinem politischen Programm, sein Land aus der Nachkriegszeit herauszuführen. Außenpolitisch ist Japan in mancher Hinsicht in etwa da, wo Deutschland 1990 war. Je bedrohlicher China wirkt, desto überzeugender sind Abes Argumente für ein starkes, selbständiges Japan. Der Streit um den Schrein ist für Japan und China also eine Win-win-Situation: Beide Seiten bekommen, was sie haben wollen. Dumm an dem zynischen Spiel ist nur, dass der Preis ein Schaden für die Beziehung zwischen den zwei mächtigsten Staaten Asiens ist.


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