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Freiburg (ots) - Wolgograd trauert um die Opfer des Doppelanschlags zu Wochenbeginn. Deren Angehörige mussten die Neujahrsbotschaft ihres Präsidenten als Hohn empfinden. Zwar hatte Wladimir Putin ihnen sein aufrichtiges Beileid übermittelt. Gleichzeitig aber hatte er behauptet, Russland sei im vergangenen Jahr erneut etwas reicher und etwas komfortabler geworden. Komfortabler? Das bedeutet auch Sicherheit. Gefahr für Leib und Leben der Russen besteht jedoch nach wie vor. Die Terroranschläge machten es nochmal deutlich, auch wenn die Urheber noch unbekannt sind. Deutlich machten die Anschläge aber auch die Hilflosigkeit der Macht, die offenbar der eigenen Propaganda aufgesessen war, wonach der Terrorismus längst besiegt sei. Tatsächlich wiesen Statistiken in jüngster Zeit deutlich weniger Terrorakte auf. Doch das könnte auch damit zusammenhängen, dass die Untergrundkämpfer im Nordkaukasus nach den zwei Tschetschenienkriegen, mit denen Moskau die abtrünnige Rebellenrepublik der Zentralregierung unterwarf, geschwächt waren. Inzwischen aber sind die damals in Tschetschenien geborenen Kinder Jugendliche und in einem Alter, das in der Region als waffenfähig gilt. Meist sind sie hoch motiviert in ihrem Hass auf Russland, haben Verwandte verloren und sind mit den Erzählungen über die Gräueltaten der russischen Soldateska groß geworden. Opfer haben aber auch die Russen zu beklagen, womöglich so viele wie im Afghanistan-Krieg der Sowjetunion, in dem 14000 Soldaten starben. Und viele heimgekehrte Soldaten sind psychisch fürs Leben geschädigt, neigen zu Gewalt und Hass gegenüber "den Anderen" - den Kaukasiern, die Bürger der Russischen Föderation sind wie sie. Ein normales Verhältnis zueinander können Russen und Kaukasier nur dann finden, wenn Putin und seine Regierung sich zu einer kritischen Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte aufraffen und beide Seiten dazu bringen, die Verherrlichung von Gewalt durch Trauerarbeit und gegenseitige Toleranz zu ersetzen. Zu einer kritischen Aufarbeitung der Vergangenheit müsste auch ein Bruch mit der unseligen Teile-und-herrsche-Politik gehören, die schon immer ein Markenzeichen von Zaren und kommunistischen Diktatoren wie Stalin war. Sie ist auch die Erbsünde der Russischen Föderation, die nur nominell ein Bundesstaat ist, de facto aber ein zentralistischer Staat mit sehr begrenzter Autonomie für ethnische und religiöse Minderheiten. Die Olympischen Spiele in Sotschi im Nordwestkaukasus wären für den Kreml eine gute Gelegenheit zu Korrekturen ohne Gesichtsverlust gewesen. Man hätte den Tscherkessen - den traditionellen Bewohnern der Region - bei der Eröffnungsfeier eine ähnlich prominente Rolle überlassen können wie indianischen Stämmen bei den Spielen im kanadischen Vancouver vier Jahre zuvor. Es wäre kein Zeichen von Schwäche sondern Stärke gewesen. Auch andere - Tschetschenen, Inguschen und die Völker Dagestans - haben zu Moskau ein ähnlich schwieriges Verhältnis wie die Tscherkessen. Weil es im Nordkaukasus wie überall in der Russischen Föderation um die Demokratie nicht gut bestellt ist, fehlen Instrumente für zivilisiertes Konfliktmanagement. Auch das verschafft radikalen Islamisten und Nationalisten Zulauf. Dazu kommen soziale Probleme. Der Kreml pumpt zwar seit Jahren Milliarden in die strukturschwache Region. Doch das meiste stecken sich Putins treulose Statthalter in die eigene Tasche: als Gegenleistung für Loyalität und Stabilität auf sehr niedrigem Niveau. Noch ist Zeit, das Steuer herumzureißen. Mit den Kaukasiern auf gleicher Augenhöhe zu verhandeln und sie nicht als Vasallen, sondern als Sicherheitspartner beim Schutz der sensiblen Südflanke wahrzunehmen - das wäre die beste Lösung für Russland, für den Kaukasus und für Europa.

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