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Von der Seele
Carl Ludwig Schleich (1859-1922)

Ein Arzt und Autor. Schleich begründete keine neue philosophische Richtung; er nutzte vielmehr naturwissenschaftliche Kenntnisse, um vorwiegend althergebrachte Auffassungen von der Entstehung des Universums, des menschlichen Lebens, der Funktion und dem Sitz der Seele im Menschen zu belegen. Er widmete sich in seinen Schriften immer wieder den Themen Krankheit, Zelle, Unterbewußtsein, Schmerz, Hysterie und.. Seele.

Carl Ludwig Schleich, Von der Seele

Von der Seele
Carl Ludwig Schleich


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Auszug:

DER SITZ DER SEELE

<...Denn jede Zelle des Leibes hat ihre Seele für sich; in der Republik, dem Zellstaate, den die letzten erkennbaren Lebenseinheiten in unserem Leibe bilden, hat jeder winzige, mikroskopische Bürger einen Hauch der belebten Allseele in sich, und die Zeit ist nicht mehr fern, wo die Zelle auch ihr eigenes Gehirn und ihren Nervenapparat für sich zugesprochen erhalten wird. Die Hirnzellen, die in ihrer Gesamtheit nur ein grandioses Regulationsorgan darstellen, werden dann nicht mehr als Thronsessel der Königin Seele gelten, sondern die Millionen seelischer Wunder, welche insgesamt die unbeschreibbar herrliche Harmonie eines Lebewesens hervorbringen, werden jeder Magenzelle, jeder Hautfaser ebenso zugeteilt werden müssen, wie diesen Prätendenten einer angemaßten Macht, den sogenannten Zentralorganen.

Die menschliche Seele ist der Mensch als Ganzes. Mit der Antwort auf seine Herkunft, die die Philosophen anders als die Theologen, die Naturforscher anders als die Künstler formulieren, fällt die Frage nach seiner Seele von selbst zusammen. Die Seele der Monade, des kleinsten Lebewesens, birgt alle Probleme, und hier mündet eben die Frage nach der Seele ein in das große Rätsel des Lebens überhaupt. Wir werden von der Seele stets nur soviel wissen, als wir vom Leben verstehen. Der Gedanke über die Seele ist eins mit dem Gedanken über das Leben.>

HUMOR

<...Die Menschheit hat stets um so mehr Worte über eine Angelegenheit gemacht, je weniger sie von ihr begriff.
Und die Wissenschaft, diese bedächtige Frau Registratorin, die alles Menschliche, fein säuberlich zu Millionen Aktenbündeln geordnet, in den Schubfächern der öffentlichen Büros einer königlichen Logik aufbewahren läßt, um nur hier und da die Aktenstöße anders zu gruppieren und dabei viel Staub aufzuwirbeln, bezeugt, was jeder Katasterbeamte schon lange weiß:
je dunkler ein Prozeß ist, desto höher türmen sich die ihn behandelnden Dokumente.
So kann ich denn auch nur die Manuskriptensammlung derer, die sich den Kopf über die drolligste Sache der Welt, über das Lachen, zerbrochen haben, um ein Exemplar vermehren, natürlich ohne jeden Anspruch, damit den Zauber von dem neckischen Spiel der Seele zu nehmen oder gar das heilige Lachen als einen ganz profanen Vorgang zu entlarven.
Ich will nur versuchen, einige Gesichtswinkel zu zeichnen, unter denen man den Humor und die humoristischen Zustände von einer Seite beleuchten kann, die vielleicht neu und reizvoll genug ist, um die Aufmerksamkeit derer, die schon über diese Dinge nachgedacht haben, vorübergehend festzuhalten.
Dabei muß ich verzichten, nach wissenschaftlicher Autoren Art die lange Reihe der geistigen Väter von vor und nach Christi Geburt, die einmal über dasselbe Thema gestolpert sind, herzuzählen, um endlich zu einem eigenen Körnchen Wahrheit zu kommen, das ich in den literarischen Riesenscheffel hineinzuwerfen entschlossen bin.>

RAUSCH

<...Das ist immer dasselbe Spiel, oft nur durch manche phantastischen Exzentrizitäten mit dem Beigeschmack des Wahnsinns nuanciert, ob das Gift nun Alkohol, Morphium, Haschisch usw. usw. heißt. Ja, die Herkunft des Alkohols schon färbt den Rausch spezifisch, wie denn, trotz chemisch gleicher Formel, Fuselalkohol und veilchenduftender Kognak ganz anderen Anschlag auf der Klaviatur unseres Seeleninstrumentes bekunden.
Es ist übrigens bei allen Rauschgiften so, als ob dem chemischen Skelett doch etwas von dem Himmel und Erdreich, unter dem es in der Sonne reifte, anhaften bleibt, so daß in der berauschten Seele des Menschen sich etwas von der Heimat der Tränke kund zu geben scheint, aus der sie stammen. So haben Haschisch und Morphiumträume immer etwas Orientalisches in ihren Motiven, und der Kartoffelspiritus verrät pommersche Derbheit und Kraft nicht weniger deutlich als des Rheines Traube Heiterkeit und Frankreichs Schaumwein seinen perlenden Geist.>

 

 

 

 

 

 

 

Carl Ludwig Schleich, Von der Seele

Von der Seele
Carl Ludwig Schleich

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Inhaltsverzeichnis:

 
Von Der Seele .......1
Inhaltsverzeichnis .......2
DER RHYTHMUS .......3
HUMOR ......27
SCHLAF UND TRAUM ......61
Schlaf und Traum II. ......86
UNTERBEWUSSTSEIN ......106
SEELISCHE HEMMUNGEN UND SCHMERZEN ......143
DER SITZ DER SEELE ......178
INSTINKT UND SPIEL ......186
TEMPERAMENT ......195
TIERSEELE UND MENSCHENSEELE ......204
GLAUBE UND WISSENSCHAFT ......212
RAUSCH ......222
DIE MUSIK ALS ERZIEHERIN ......231
MUTTER ERDE ......240
ÜBER GRÜBCHEN UND FALTEN ......245
DAS WUNDER DER WUNDHEILUNG ......252
DAS MYSTERIUM DER ERNÄHRUNG ......263
DIE HAUT ALS EIN ORGAN DER SEELE ......269
Fußnoten ......277
Index ......278
Präsentiert durch ......281
Über den Autor ......282

 

Index

A
Ähnlichkeit oder Mimik 250
Alkoholgenuß 77
Atmungsrhythmus 22
Außenweltreize 110
B
Bewußtlosigkeit 153
Bewußtsein - ein Gefühlskomplex 115
C
Chaos des Formlosen 260
D
Darstellung vom Wesen des Lachens 28
Der daseinkämpfende Urmensch 192
Die menschliche Seele ist der Mensch als Ganzes 185
Drogenwirkungen 228
E
Emanzipation der Frau 136
Epilepsie 176
Erfinder 24
Erhaltungstrieb 108
F
Freier Wille ist nur ein psychologisches Gefühl 109
G
Gähnen 33
Ganglien 18
Ganglienzellen des Gehirnes 74
Gehirn und Haut sind als ein einheitliches Organ a 272
Geschick oder Zufall 12
Gewissen 129
Grinsen und Greinen 40
Grundgefühl für Rhythmus 162
H
halluzinatorischen Wahrnehmungen 88
Harmonielosigkeit 154
Haut - ein Zaubergewebe 270
Herzbewegung 21
Hirnhemmung 72
I
In Gesichtern lesen 251
Instinkte 190
J
Jede Zelle des Leibes hat ihre Seele für sich 184
K
Kitzeln 39
Kopfschmerz 169
Kraft und Widerstand 8
Künstler 23
künstlichen Quellen von Licht 63
Kurzschluß elektroider Spannungen in der Seele 175
L
Leben - rhythm. Wellenform durch Hemmungsfortfall 16
M
Musik 42
Musik - eine Kulturmacht 236
Mysterium in der Ernährung 265

 

 

N
Narkose 144
Natur des Schmerzes 167
Nüstern im Liebes- oder Lebenskampf 35
O
Oberseelen 149
Oper - das universellste Kunstwerk 237
P
Pflanzen haben eine Art Schlaf 64
Phantasie 210
Physik - eine Lehre von den Widerständen 6
Physik, diese Frau Oberkalkulatorin der Natur 240
Physiologie des Schlafes 68
Psychophysik des Rhythmus 5
Puder, Schminke, Tinten und Creme 274
R
Reflexbewegung 188
Reizbarkeit 186
Rhythmus ist der Pulsschlag des Kosmos 5
S
Schilddrüse 126
Schlaf als des Todes Bruder 84
Schlafsucht beim Erfrieren 165
Schlafwandeln 69
Schmerz ist ein Allgemeingefühl der Unlust 170
Seele ist überall in uns 112
Seelentätigkeiten 73
Sehnsucht, das Rätsel der Welt zu lösen 214
Sitz unseres Bewußtseins 187
Sonne und das Licht 62
Spannungen 45
T
Temperament - Widerstandsfähigkeit gegen Eindrücke 200
Theorie des Lachens 41
Traumzustand der Seele 102
U
Unterschiede zwischen Tier- und Menschenseele 207
Urkraft 11
V
Vergleich zwischen Priestern und Ärzten 217
Vier Temperamente 196
Vormitternachtsschlaf 81
Vorurteile 132
W
Wahrnehmungen 197
Wissenschaft 27
Wissenschaftler 24
Z
Zeit 20

 

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